Stakeholder Zusammenarbeit im Projekt: 10 Office Charaktere im Projekt

Erfolgreiches Projektmanagement in der Stakeholder Zusammenarbeit im Projekt steht und fällt mit effektiven Interaktionsstilen. In unserer täglichen Projektarbeit begegnen uns dabei immer wieder charakteristische Kommunikationsmuster, die – wenn nicht erkannt und adressiert – zu Verzögerungen, Missverständnissen und Frustration auf allen Seiten führen können.

Dieser Beitrag basiert auf unseren gesammelten Erfahrungen aus zahlreichen Projekten. Wir möchten typische Herausforderungen im Stakeholder- & Projekt-Management beleuchten und konkrete, erprobte Lösungsansätze aufzeigen. Dabei geht es nicht darum, einzelne Personen zu kritisieren, sondern Muster zu erkennen und konstruktive Wege der Zusammenarbeit zu entwickeln.

Typische Office-Charaktere in der Stakeholder-Zusammenarbeit

1. Der Goldfisch: Wenn Entscheidungen im Sande verlaufen 

Liest keine Mails, erinnert sich an keine Entscheidungen und fragt drei Wochen später: ‘Wann haben wir das besprochen?’

Symptome: 

  • Wöchentliche Updates werden nicht zur Kenntnis genommen 
  • Getroffene Entscheidungen werden später in Frage gestellt oder als “nicht bekannt” bezeichnet 
  • Protokolle werden ignoriert oder unterschiedlich interpretiert 

Bewährte Lösungsansätze: 

Strukturelle Maßnahmen: 

  • Entscheidungen mit Konsequenzen verknüpfen: Statt nur in Protokollen festzuhalten, direkt die Folgen aufzeigen: “Entscheidung für Option A bedeutet: Start am [Datum], Budget X, Lieferung bis [Datum].” 
  • Klare Fristen mit automatischer Zustimmung: Nach Ablauf der Frist gilt die Zustimmung als erteilt – aber vorher klar kommunizieren 
  • Zusammenfassung zuerst: Jede E-Mail beginnt mit der Kernbotschaft und den nötigen Entscheidungen. Details folgen danach 

Kommunikative Maßnahmen: 

  • Festes Update-Format: TL;DR – Aktueller Status – Offene Entscheidungen – Nächste Schritte mit Deadlines 
  • Persönlicher Vorab-Kontakt: Bei kritischen Themen ein kurzes Telefonat, bevor die formale Dokumentation folgt 

2. Der Ja-Sager: Wenn Kritik zu spät kommt

Nickt im Meeting zu allem und erklärt drei Monate später, dass er das völlig anders gemeint hat.

Symptome: 

  • In Meetings wird allem zugestimmt: “Sieht gut aus, machen wir so” 
  • Kritische Anmerkungen kommen erst Wochen oder Monate später 
  • Konflikte werden vermieden, bis sie eskalieren 

Bewährte Lösungsansätze: 

Strukturelle Maßnahmen: 

  • Go-/No-Go-Meilensteine mit klaren EntscheidungskriterienVorab definierte Entscheidungszeitpunkte im Projektverlauf, an denen anhand festgelegter Kriterien verbindlich entschieden wird, ob das Vorhaben fortgesetzt, angepasst oder gestoppt wird 
  • Vier-Augen-Gespräche: Nach größeren Präsentationen ein kurzes Nachgespräch: “Was sind Ihre ehrlichen Bedenken? Was könnte in Ihrer Organisation Gegenwind erzeugen?” 
  • Regelmäßige Entscheidungsrunden etablieren: Statt formaler Einzel-Freigaben feste Abstimmungstermine mit den relevanten Entscheider:innen einplanen. So werden Entscheidungen gemeinsam getragen, Rückfragen und Bedenken tauchen früher auf und die Verantwortung liegt nicht bei einer einzelnen Person. 

Kommunikative Maßnahmen: 

  • Aktiv nach Bedenken fragen: “Was könnte schiefgehen? Was würde Ihr Chef kritisieren?” 
  • Anonymes Feedback ermöglichen: Manchmal fällt Kritik leichter, wenn sie nicht direkt zugeordnet wird 
  • Politische Dynamiken ansprechen: “Wie können wir Sie unterstützen, intern Rückendeckung zu bekommen?” Bzw. “Wen müssen wir ggf. noch mit ins Boot holen oder updaten, damit bedenken frühzeitig geäußert werden und/oder alle relevanten Punkte beachtet werden können?” 

3. Der Geist: Wenn Entscheidungsträger nicht greifbar sind 

Ist immer in Meetings, aber nie erreichbar. Die Abwesenheitsnotiz ist sein Markenzeichen.

Symptome: 

  • Chronische Nichtverfügbarkeit trotz zugesagter Mitarbeit 
  • Nichterscheinen in Meetings, die zuvor zugesagt wurden 
  • Antwortzeiten von mehreren Wochen (siehe auch der Goldfisch) 
  • Abwesenheitsnotizen als Dauerzustand 
  • Keine Delegation an Stellvertreter 

Bewährte Lösungsansätze: 

Strukturelle Maßnahmen: 

  • Zuständigkeiten mit Reaktionszeiten: Nicht nur definieren, wer wofür zuständig ist, sondern auch verbindliche Antwortfristen festlegen 
  • Stellvertreter-Regelung zu Projektbeginn: Klare Benennung von Vertretungen mit gleichen Entscheidungsrechten 
  • Automatische Eskalation nach X Tagen (siehe auch der Goldfisch) 

Kommunikative Maßnahmen: 

  • Auswirkungen konkret benennen: “Ohne Ihre Entscheidung zu X bis [Datum] verzögert sich das Projekt um Y Wochen und verursacht Mehrkosten von Z” 
  • Überlastung ansprechen: Wenn jemand strukturell nicht verfügbar ist, ist das oft ein Zeichen von zu viel Arbeitslast. Gespräch suchen 
  • Alternative Wege klären: “Falls Sie nicht verfügbar sind, können wir das mit Ihrem Stellvertreter klären?” 

4. Der Möwenmanager: Wenn Führungskräfte sporadisch eingreifen 

Platzt ins Meeting, stellt alles in Frage, verschwindet wieder und hinterlässt nur Chaos.

Symptome: 

  • Erscheint unerwartet in Meetings 
  • Beschwert sich nur, ohne konstruktive Kritik oder Verbesserungsvorschläge 
  • Stellt grundsätzliche Fragen zu bereits getroffenen Entscheidungen 
  • Verlässt das Meeting, bevor Unklarheiten geklärt sind 
  • Hinterlässt mehr Fragen als Antworten 

Bewährte Lösungsansätze: 

Strukturelle Maßnahmen: 

  • Trennung von strategisch und operativ: Regelmäßige Termine für das Management, getrennt von der operativen Arbeit 
  • Entscheidungshierarchie festlegen: Welche Entscheidungen trifft das Team, welche die Projektleitung, welche das Management? 

Kommunikative Maßnahmen: 

  • Sofort Konsequenzen aufzeigen: “Das ist ein wichtiger Punkt. Bedeutet das, wir müssen Entscheidung X revidieren? Das würde Y Zeit und Z Budget zusätzlich erfordern. Können wir das jetzt klären?” 
  • Meeting-Einstieg standardisieren: Erste 5 Minuten für Kontext: Wo stehen wir, welche Entscheidungen sind gefallen, was steht heute an? 
  • Folgetermin direkt buchen: “Vielen Dank für Ihren Input. Ich schlage vor, wir vertiefen das morgen um 14 Uhr.” 

5. Der Schwarzmaler: Wenn Bedenken die Oberhand gewinnen 

Findet für jede Lösung drei Probleme und verweist gerne auf gescheiterte Projekte von 2003.

Symptome: 

  • Jede Lösung wird primär durch die Risikobrille betrachtet 
  • Verweise auf frühere, gescheiterte Projekte 
  • “Das wird nicht funktionieren” als reflexartige Reaktion 
  • Fokus auf Probleme statt auf Lösungen 

Bewährte Lösungsansätze: 

Strukturelle Maßnahmen: 

  • Rolle im Risikomanagement geben: Die kritische Perspektive nutzen: Ernennung zum offiziellen Risikoverantwortlichen mit klarem Auftrag (Risiken benennen UND bewerten UND Lösungen vorschlagen) 
  • Strukturierte Risikobewertung: Format für Risikoanalysen (Wahrscheinlichkeit, Auswirkung, Gegenmaßnahmen), das über Bauchgefühl hinausgeht 
  • Zeitfenster für Bedenken: In Meetings feste Zeit für Risikoanalyse – danach Fokus auf Lösungen 

Kommunikative Maßnahmen: 

  • Von Kritik zu Konstruktion: “Sie haben recht, das könnte schiefgehen. Wie würden Sie es angehen?” 
  • Nach Fakten fragen: “Basiert das auf konkreten Erfahrungen oder Daten?” 
  • Erfolge anerkennen: “Ihre kritische Perspektive bei X hat uns geholfen, Y zu verbessern. Danke dafür!” 

6. Der Vulkan: Wenn Sachthemen zu persönlich werden 

Lautstärke ist sein Hauptargument. Sachebene und Emotion sind für ihn dasselbe.

Symptome: 

  • Emotionale Reaktionen auf sachliche Probleme 
  • Lautstärke als Argumentationsmittel 
  • Schwierigkeit, zwischen persönlicher Betroffenheit und Sachebene zu trennen 

Bewährte Lösungsansätze: 

Strukturelle Maßnahmen: 

  • Klare Konsequenzen bei Grenzüberschreitung: Kommunikation an Management/HR, wenn professionelle Grenzen überschritten werden 
  • Spielregeln zu Projektbeginn: Gemeinsam Kommunikationsregeln vereinbaren (ausreden lassen, sachlich bleiben, respektvoller Ton) 
  • Kritisches schriftlich vorbereiten: Schwierige Botschaften zunächst per E-Mail, dann besprechen 

Kommunikative Maßnahmen: 

  • Pause bei Eskalation: “Ich sehe, das Thema ist emotional aufgeladen. Lassen Sie uns 10 Minuten Pause machen.” 
  • Nie alleine: Bei wichtigen Gesprächen immer zu dritt sein 
  • Sorgen anerkennen: “Ich verstehe, dass Sie sich Sorgen machen. Lassen Sie uns gemeinsam schauen, wie wir das lösen.” 

7. Der Bumerang: Wenn “Kannst du mal eben…” zur Methode wird 

Kannst du mal eben…’ und plötzlich machst du seine Arbeit, während er die Lorbeeren erntet.

Symptome: 

  • “Kannst du mal eben…” ist sein häufigster Satzbeginn 
  • Eigene Aufgaben werden systematisch an andere weitergereicht 
  • Nutzt die Hilfsbereitschaft harmoniebedürftiger Teammitglieder aus (siehe der Ja-Sager) 
  • Bei Nachfragen: “Ich habe gerade so viel um die Ohren” oder “Du kannst das viel besser” 
  • Ergebnisse werden ggf. als eigene Leistung präsentiert 

Bewährte Lösungsansätze: 

Strukturelle Maßnahmen: 

  • Eindeutige Aufgabenzuordnung: Jede Aufgabe hat EINE verantwortliche Person. In Projekttools sichtbar machen, wer was liefern muss 
  • Verantwortung klar definieren: “Verantwortlich” bedeutet: Du steuerst, du lieferst. Du darfst Unterstützung holen, aber die Verantwortung bleibt bei dir 
  • Regelmäßige Leistungsbesprechungen: In Einzelgesprächen und Team-Runden transparent machen, wer was geleistet hat 
  • Nein-Sagen legitimieren: Im Team explizit kommunizieren: “Es ist okay, Nein zu sagen, wenn jemand seine Arbeit abgeben will” 

Kommunikative Maßnahmen: 

  • Verantwortung zurückspielen: “Interessante Aufgabe. Wie planst du, das umzusetzen? Wo genau brauchst du Input?” 
  • Konkret nachfragen: “Kannst du mal eben…” → “Was genau brauchst du? Bis wann? Was hast du schon versucht?” 
  • Grenzen setzen üben: Formulierungen etablieren: “Ich habe gerade X auf meiner Liste. Sprich bitte mit der Projektleitung über Priorisierung” 
  • Verantwortung sichtbar machen: In Status-Meetings klar benennen: “Aufgabe X liegt bei [Name], Lieferung bis [Datum]” 

Für Projektleitungen: 

  • Direkt ansprechen: “Mir fällt auf, dass viele deiner Aufgaben von anderen übernommen werden. Was brauchst du, um deine Verantwortlichkeiten selbst wahrzunehmen?” 
  • Unterstützen, nicht ersetzen: Hilfe geben, aber nicht die Arbeit abnehmen 
  • Bei Wiederholung eskalieren: Systematisches Abwälzen ist ein Leistungsproblem 

8. Der Kumpeltyp: Wenn Kollegialität zur Belastung wird 

Kommt ‘nur kurz vorbei’, bleibt eine Stunde und redet über alles, nur nicht über Arbeit.

Symptome: 

  • Kommt “nur kurz vorbei” – bleibt eine Stunde 
  • Privatgespräche sind seine Kernkompetenz 
  • Gehört nicht zum Projektteam, taucht aber ständig auf 
  • “Wir verstehen uns doch gut” als Rechtfertigung 
  • Verwechselt Projektmeetings mit Kaffeeklatsch 
  • Schwierig abzugrenzen, weil er “so nett” ist 

Bewährte Lösungsansätze: 

Strukturelle Maßnahmen: 

  • Klare Teilnehmerlisten: Nur wer eine definierte Rolle hat, wird eingeladen 
  • Fokuszeiten etablieren: Zeitfenster, in denen das Team ungestört arbeitet (z.B. “Deep Work vormittags”) 
  • Räumliche/virtuelle Grenzen: Projektteam arbeitet in geschlossenen Räumen oder Kanälen 
  • Meeting-Moderation: Eine Person achtet darauf, dass Meetings nicht abdriften 

Kommunikative Maßnahmen: 

  • Freundlich, aber bestimmt: “Schön, dich zu sehen! Ich muss aber jetzt weiterarbeiten. Können wir in der Pause quatschen?” 
  • Standard-Formulierungen für Harmoniebedürftige (siehe der Ja-Sager): “Ich würde gerne weitermachen, hab eine Deadline” 
  • Rahmen setzen: “Wir haben 45 Minuten für die Agenda. Privates gerne später” 
  • Höflicher Rauswurf: “Danke fürs Vorbeischauen! Wir müssen jetzt ins interne Meeting” 

Für Projektleitungen: 

  • Rollen klären: “Für dieses Projekt ist das Team X, Y, Z” 
  • Strukturiert einbinden: Wenn die Person wertvollen Input hat, eine klare Rolle mit definierten Terminen geben 
  • Vorbild sein: Selbst klare Grenzen setzen 
  • Team stärken: “Es ist vollkommen okay und professionell, Leute rauszubitten, wenn ihr arbeiten müsst”.

9. Der Perfektionist/ der Erbsenzähler: Wenn Planung wichtiger wird als Fortschritt 

Eine Trillion Statusfolien, detaillierte Pläne für fünf Jahre – nur kein Ergebnis.

Symptome: 

  • Umfangreiche Dokumentation und Statusberichte 
  • Detaillierte Pläne, die die Projektlaufzeit übersteigen 
  • Prozesse für jeden Aspekt 
  • “Erst planen, dann machen” im Extrem 

Bewährte Lösungsansätze: 

Strukturelle Maßnahmen: 

  • “Fertig” definieren: Klar festlegen: “gut genug für den nächsten Schritt” statt “perfekt” 
  • Zeitgrenzen für Planung: Maximale Aufwände für Planung, Dokumentation, Reporting definieren 
  • Schrittweise vorgehen: Iterativ mit funktionierenden Zwischenergebnissen statt alles auf einmal 

Kommunikative Maßnahmen: 

  • Strikte Vorgaben: “Jedes Update: 1 Folie Zusammenfassung, max. 3 Folien Details, 1 Folie nächste Schritte” 
  • Vom Ziel her denken: “Was soll am Ende herauskommen? Was ist der KÜRZESTE Weg dorthin?” 
  • Schnelle Erfolge identifizieren: “Was können wir in 2 Wochen umsetzen, um erste Ergebnisse zu sehen?” 

10. Der Profi: Was wir von High Performern lernen 

Vorbereitet, entscheidungsfreudig, verlässlich; der Grund, warum manche Projekte einfach laufen.

Merkmale: 

  • Bereitet sich auf Meetings vor 
  • Trifft zeitnahe, fundierte Entscheidungen 
  • Gibt konstruktives, konkretes Feedback 
  • Liefert vereinbarte Beiträge zuverlässig 
  • Kommuniziert proaktiv bei Problemen 

Was diese Zusammenarbeit auszeichnet: 

  • Vorbereitung macht Meetings produktiv 
  • Entscheidungsfreude: Keine Entscheidung ist oft die schlechteste Entscheidung 
  • Verlässlichkeit: Zusagen werden eingehalten, Probleme frühzeitig kommuniziert 
  • Lösungsorientierte Kritik: Immer konkret und konstruktiv 

Best Practices übertragen: Diese Verhaltensweisen als Maßstab kommunizieren und aktiv fördern – bei Stakeholdern und im eigenen Team. 

Wenn du in deinem Projekt ähnliche Dynamiken siehst und Lösungen suchst, findest du auf unserer Teamseite die richtigen Ansprechpartner:innen. Wir unterstützen dabei, Kooperationsmuster zu klären und Projekte wieder arbeitsfähig zu machen.

Weitere Insights

Weitere Insights

Gemeinsam zu mehr Erfolg in einer
digitalen Zukunft

Ob du ein definiertes Projekt hast, nur einen Gedankenaustausch suchst oder mit uns als Partner zusammenarbeiten willst – lass uns sprechen. Schreib uns eine E-Mail, ruf uns an oder vereinbare einen ersten, unverbindlichen Online-Termin mit uns.
Entdecke, wie wir gemeinsam die digitale Zukunft gestalten können.

Kontaktinfo

Whitepaper herunterladen

Die hier angegebenen Daten werden gemäß der Datenschutzerklärung verwendet.

Checkliste herunterladen

Die hier angegebenen Daten werden gemäß der Datenschutzerklärung verwendet.