Erfolgreiches Projektmanagement in der Stakeholder Zusammenarbeit im Projekt steht und fällt mit effektiven Interaktionsstilen. In unserer täglichen Projektarbeit begegnen uns dabei immer wieder charakteristische Kommunikationsmuster, die – wenn nicht erkannt und adressiert – zu Verzögerungen, Missverständnissen und Frustration auf allen Seiten führen können.
Dieser Beitrag basiert auf unseren gesammelten Erfahrungen aus zahlreichen Projekten. Wir möchten typische Herausforderungen im Stakeholder- & Projekt-Management beleuchten und konkrete, erprobte Lösungsansätze aufzeigen. Dabei geht es nicht darum, einzelne Personen zu kritisieren, sondern Muster zu erkennen und konstruktive Wege der Zusammenarbeit zu entwickeln.
Typische Office-Charaktere in der Stakeholder-Zusammenarbeit
1. Der Goldfisch: Wenn Entscheidungen im Sande verlaufen

Liest keine Mails, erinnert sich an keine Entscheidungen und fragt drei Wochen später: ‘Wann haben wir das besprochen?’
Symptome:
- Wöchentliche Updates werden nicht zur Kenntnis genommen
- Getroffene Entscheidungen werden später in Frage gestellt oder als “nicht bekannt” bezeichnet
- Protokolle werden ignoriert oder unterschiedlich interpretiert
Bewährte Lösungsansätze:
Strukturelle Maßnahmen:
- Entscheidungen mit Konsequenzen verknüpfen: Statt nur in Protokollen festzuhalten, direkt die Folgen aufzeigen: “Entscheidung für Option A bedeutet: Start am [Datum], Budget X, Lieferung bis [Datum].”
- Klare Fristen mit automatischer Zustimmung: Nach Ablauf der Frist gilt die Zustimmung als erteilt – aber vorher klar kommunizieren
- Zusammenfassung zuerst: Jede E-Mail beginnt mit der Kernbotschaft und den nötigen Entscheidungen. Details folgen danach
Kommunikative Maßnahmen:
- Festes Update-Format: TL;DR – Aktueller Status – Offene Entscheidungen – Nächste Schritte mit Deadlines
- Persönlicher Vorab-Kontakt: Bei kritischen Themen ein kurzes Telefonat, bevor die formale Dokumentation folgt
2. Der Ja-Sager: Wenn Kritik zu spät kommt

Nickt im Meeting zu allem und erklärt drei Monate später, dass er das völlig anders gemeint hat.
Symptome:
- In Meetings wird allem zugestimmt: “Sieht gut aus, machen wir so”
- Kritische Anmerkungen kommen erst Wochen oder Monate später
- Konflikte werden vermieden, bis sie eskalieren
Bewährte Lösungsansätze:
Strukturelle Maßnahmen:
- Go-/No-Go-Meilensteine mit klaren Entscheidungskriterien: Vorab definierte Entscheidungszeitpunkte im Projektverlauf, an denen anhand festgelegter Kriterien verbindlich entschieden wird, ob das Vorhaben fortgesetzt, angepasst oder gestoppt wird
- Vier-Augen-Gespräche: Nach größeren Präsentationen ein kurzes Nachgespräch: “Was sind Ihre ehrlichen Bedenken? Was könnte in Ihrer Organisation Gegenwind erzeugen?”
- Regelmäßige Entscheidungsrunden etablieren: Statt formaler Einzel-Freigaben feste Abstimmungstermine mit den relevanten Entscheider:innen einplanen. So werden Entscheidungen gemeinsam getragen, Rückfragen und Bedenken tauchen früher auf und die Verantwortung liegt nicht bei einer einzelnen Person.
Kommunikative Maßnahmen:
- Aktiv nach Bedenken fragen: “Was könnte schiefgehen? Was würde Ihr Chef kritisieren?”
- Anonymes Feedback ermöglichen: Manchmal fällt Kritik leichter, wenn sie nicht direkt zugeordnet wird
- Politische Dynamiken ansprechen: “Wie können wir Sie unterstützen, intern Rückendeckung zu bekommen?” Bzw. “Wen müssen wir ggf. noch mit ins Boot holen oder updaten, damit bedenken frühzeitig geäußert werden und/oder alle relevanten Punkte beachtet werden können?”
3. Der Geist: Wenn Entscheidungsträger nicht greifbar sind

Ist immer in Meetings, aber nie erreichbar. Die Abwesenheitsnotiz ist sein Markenzeichen.
Symptome:
- Chronische Nichtverfügbarkeit trotz zugesagter Mitarbeit
- Nichterscheinen in Meetings, die zuvor zugesagt wurden
- Antwortzeiten von mehreren Wochen (siehe auch der Goldfisch)
- Abwesenheitsnotizen als Dauerzustand
- Keine Delegation an Stellvertreter
Bewährte Lösungsansätze:
Strukturelle Maßnahmen:
- Zuständigkeiten mit Reaktionszeiten: Nicht nur definieren, wer wofür zuständig ist, sondern auch verbindliche Antwortfristen festlegen
- Stellvertreter-Regelung zu Projektbeginn: Klare Benennung von Vertretungen mit gleichen Entscheidungsrechten
- Automatische Eskalation nach X Tagen (siehe auch der Goldfisch)
Kommunikative Maßnahmen:
- Auswirkungen konkret benennen: “Ohne Ihre Entscheidung zu X bis [Datum] verzögert sich das Projekt um Y Wochen und verursacht Mehrkosten von Z”
- Überlastung ansprechen: Wenn jemand strukturell nicht verfügbar ist, ist das oft ein Zeichen von zu viel Arbeitslast. Gespräch suchen
- Alternative Wege klären: “Falls Sie nicht verfügbar sind, können wir das mit Ihrem Stellvertreter klären?”
4. Der Möwenmanager: Wenn Führungskräfte sporadisch eingreifen

Platzt ins Meeting, stellt alles in Frage, verschwindet wieder und hinterlässt nur Chaos.
Symptome:
- Erscheint unerwartet in Meetings
- Beschwert sich nur, ohne konstruktive Kritik oder Verbesserungsvorschläge
- Stellt grundsätzliche Fragen zu bereits getroffenen Entscheidungen
- Verlässt das Meeting, bevor Unklarheiten geklärt sind
- Hinterlässt mehr Fragen als Antworten
Bewährte Lösungsansätze:
Strukturelle Maßnahmen:
- Trennung von strategisch und operativ: Regelmäßige Termine für das Management, getrennt von der operativen Arbeit
- Entscheidungshierarchie festlegen: Welche Entscheidungen trifft das Team, welche die Projektleitung, welche das Management?
Kommunikative Maßnahmen:
- Sofort Konsequenzen aufzeigen: “Das ist ein wichtiger Punkt. Bedeutet das, wir müssen Entscheidung X revidieren? Das würde Y Zeit und Z Budget zusätzlich erfordern. Können wir das jetzt klären?”
- Meeting-Einstieg standardisieren: Erste 5 Minuten für Kontext: Wo stehen wir, welche Entscheidungen sind gefallen, was steht heute an?
- Folgetermin direkt buchen: “Vielen Dank für Ihren Input. Ich schlage vor, wir vertiefen das morgen um 14 Uhr.”
5. Der Schwarzmaler: Wenn Bedenken die Oberhand gewinnen

Findet für jede Lösung drei Probleme und verweist gerne auf gescheiterte Projekte von 2003.
Symptome:
- Jede Lösung wird primär durch die Risikobrille betrachtet
- Verweise auf frühere, gescheiterte Projekte
- “Das wird nicht funktionieren” als reflexartige Reaktion
- Fokus auf Probleme statt auf Lösungen
Bewährte Lösungsansätze:
Strukturelle Maßnahmen:
- Rolle im Risikomanagement geben: Die kritische Perspektive nutzen: Ernennung zum offiziellen Risikoverantwortlichen mit klarem Auftrag (Risiken benennen UND bewerten UND Lösungen vorschlagen)
- Strukturierte Risikobewertung: Format für Risikoanalysen (Wahrscheinlichkeit, Auswirkung, Gegenmaßnahmen), das über Bauchgefühl hinausgeht
- Zeitfenster für Bedenken: In Meetings feste Zeit für Risikoanalyse – danach Fokus auf Lösungen
Kommunikative Maßnahmen:
- Von Kritik zu Konstruktion: “Sie haben recht, das könnte schiefgehen. Wie würden Sie es angehen?”
- Nach Fakten fragen: “Basiert das auf konkreten Erfahrungen oder Daten?”
- Erfolge anerkennen: “Ihre kritische Perspektive bei X hat uns geholfen, Y zu verbessern. Danke dafür!”
6. Der Vulkan: Wenn Sachthemen zu persönlich werden

Lautstärke ist sein Hauptargument. Sachebene und Emotion sind für ihn dasselbe.
Symptome:
- Emotionale Reaktionen auf sachliche Probleme
- Lautstärke als Argumentationsmittel
- Schwierigkeit, zwischen persönlicher Betroffenheit und Sachebene zu trennen
Bewährte Lösungsansätze:
Strukturelle Maßnahmen:
- Klare Konsequenzen bei Grenzüberschreitung: Kommunikation an Management/HR, wenn professionelle Grenzen überschritten werden
- Spielregeln zu Projektbeginn: Gemeinsam Kommunikationsregeln vereinbaren (ausreden lassen, sachlich bleiben, respektvoller Ton)
- Kritisches schriftlich vorbereiten: Schwierige Botschaften zunächst per E-Mail, dann besprechen
Kommunikative Maßnahmen:
- Pause bei Eskalation: “Ich sehe, das Thema ist emotional aufgeladen. Lassen Sie uns 10 Minuten Pause machen.”
- Nie alleine: Bei wichtigen Gesprächen immer zu dritt sein
- Sorgen anerkennen: “Ich verstehe, dass Sie sich Sorgen machen. Lassen Sie uns gemeinsam schauen, wie wir das lösen.”
7. Der Bumerang: Wenn “Kannst du mal eben…” zur Methode wird

Kannst du mal eben…’ und plötzlich machst du seine Arbeit, während er die Lorbeeren erntet.
Symptome:
- “Kannst du mal eben…” ist sein häufigster Satzbeginn
- Eigene Aufgaben werden systematisch an andere weitergereicht
- Nutzt die Hilfsbereitschaft harmoniebedürftiger Teammitglieder aus (siehe der Ja-Sager)
- Bei Nachfragen: “Ich habe gerade so viel um die Ohren” oder “Du kannst das viel besser”
- Ergebnisse werden ggf. als eigene Leistung präsentiert
Bewährte Lösungsansätze:
Strukturelle Maßnahmen:
- Eindeutige Aufgabenzuordnung: Jede Aufgabe hat EINE verantwortliche Person. In Projekttools sichtbar machen, wer was liefern muss
- Verantwortung klar definieren: “Verantwortlich” bedeutet: Du steuerst, du lieferst. Du darfst Unterstützung holen, aber die Verantwortung bleibt bei dir
- Regelmäßige Leistungsbesprechungen: In Einzelgesprächen und Team-Runden transparent machen, wer was geleistet hat
- Nein-Sagen legitimieren: Im Team explizit kommunizieren: “Es ist okay, Nein zu sagen, wenn jemand seine Arbeit abgeben will”
Kommunikative Maßnahmen:
- Verantwortung zurückspielen: “Interessante Aufgabe. Wie planst du, das umzusetzen? Wo genau brauchst du Input?”
- Konkret nachfragen: “Kannst du mal eben…” → “Was genau brauchst du? Bis wann? Was hast du schon versucht?”
- Grenzen setzen üben: Formulierungen etablieren: “Ich habe gerade X auf meiner Liste. Sprich bitte mit der Projektleitung über Priorisierung”
- Verantwortung sichtbar machen: In Status-Meetings klar benennen: “Aufgabe X liegt bei [Name], Lieferung bis [Datum]”
Für Projektleitungen:
- Direkt ansprechen: “Mir fällt auf, dass viele deiner Aufgaben von anderen übernommen werden. Was brauchst du, um deine Verantwortlichkeiten selbst wahrzunehmen?”
- Unterstützen, nicht ersetzen: Hilfe geben, aber nicht die Arbeit abnehmen
- Bei Wiederholung eskalieren: Systematisches Abwälzen ist ein Leistungsproblem
8. Der Kumpeltyp: Wenn Kollegialität zur Belastung wird

Kommt ‘nur kurz vorbei’, bleibt eine Stunde und redet über alles, nur nicht über Arbeit.
Symptome:
- Kommt “nur kurz vorbei” – bleibt eine Stunde
- Privatgespräche sind seine Kernkompetenz
- Gehört nicht zum Projektteam, taucht aber ständig auf
- “Wir verstehen uns doch gut” als Rechtfertigung
- Verwechselt Projektmeetings mit Kaffeeklatsch
- Schwierig abzugrenzen, weil er “so nett” ist
Bewährte Lösungsansätze:
Strukturelle Maßnahmen:
- Klare Teilnehmerlisten: Nur wer eine definierte Rolle hat, wird eingeladen
- Fokuszeiten etablieren: Zeitfenster, in denen das Team ungestört arbeitet (z.B. “Deep Work vormittags”)
- Räumliche/virtuelle Grenzen: Projektteam arbeitet in geschlossenen Räumen oder Kanälen
- Meeting-Moderation: Eine Person achtet darauf, dass Meetings nicht abdriften
Kommunikative Maßnahmen:
- Freundlich, aber bestimmt: “Schön, dich zu sehen! Ich muss aber jetzt weiterarbeiten. Können wir in der Pause quatschen?”
- Standard-Formulierungen für Harmoniebedürftige (siehe der Ja-Sager): “Ich würde gerne weitermachen, hab eine Deadline”
- Rahmen setzen: “Wir haben 45 Minuten für die Agenda. Privates gerne später”
- Höflicher Rauswurf: “Danke fürs Vorbeischauen! Wir müssen jetzt ins interne Meeting”
Für Projektleitungen:
- Rollen klären: “Für dieses Projekt ist das Team X, Y, Z”
- Strukturiert einbinden: Wenn die Person wertvollen Input hat, eine klare Rolle mit definierten Terminen geben
- Vorbild sein: Selbst klare Grenzen setzen
- Team stärken: “Es ist vollkommen okay und professionell, Leute rauszubitten, wenn ihr arbeiten müsst”.
9. Der Perfektionist/ der Erbsenzähler: Wenn Planung wichtiger wird als Fortschritt

Eine Trillion Statusfolien, detaillierte Pläne für fünf Jahre – nur kein Ergebnis.
Symptome:
- Umfangreiche Dokumentation und Statusberichte
- Detaillierte Pläne, die die Projektlaufzeit übersteigen
- Prozesse für jeden Aspekt
- “Erst planen, dann machen” im Extrem
Bewährte Lösungsansätze:
Strukturelle Maßnahmen:
- “Fertig” definieren: Klar festlegen: “gut genug für den nächsten Schritt” statt “perfekt”
- Zeitgrenzen für Planung: Maximale Aufwände für Planung, Dokumentation, Reporting definieren
- Schrittweise vorgehen: Iterativ mit funktionierenden Zwischenergebnissen statt alles auf einmal
Kommunikative Maßnahmen:
- Strikte Vorgaben: “Jedes Update: 1 Folie Zusammenfassung, max. 3 Folien Details, 1 Folie nächste Schritte”
- Vom Ziel her denken: “Was soll am Ende herauskommen? Was ist der KÜRZESTE Weg dorthin?”
- Schnelle Erfolge identifizieren: “Was können wir in 2 Wochen umsetzen, um erste Ergebnisse zu sehen?”
10. Der Profi: Was wir von High Performern lernen

Vorbereitet, entscheidungsfreudig, verlässlich; der Grund, warum manche Projekte einfach laufen.
Merkmale:
- Bereitet sich auf Meetings vor
- Trifft zeitnahe, fundierte Entscheidungen
- Gibt konstruktives, konkretes Feedback
- Liefert vereinbarte Beiträge zuverlässig
- Kommuniziert proaktiv bei Problemen
Was diese Zusammenarbeit auszeichnet:
- Vorbereitung macht Meetings produktiv
- Entscheidungsfreude: Keine Entscheidung ist oft die schlechteste Entscheidung
- Verlässlichkeit: Zusagen werden eingehalten, Probleme frühzeitig kommuniziert
- Lösungsorientierte Kritik: Immer konkret und konstruktiv
Best Practices übertragen: Diese Verhaltensweisen als Maßstab kommunizieren und aktiv fördern – bei Stakeholdern und im eigenen Team.
Wenn du in deinem Projekt ähnliche Dynamiken siehst und Lösungen suchst, findest du auf unserer Teamseite die richtigen Ansprechpartner:innen. Wir unterstützen dabei, Kooperationsmuster zu klären und Projekte wieder arbeitsfähig zu machen.